دوشنبه
:Peter Zwey
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( Der unzeitgemäße Dichter Johannes Kühns (am 3.2.04

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Johannes Kühn ist einer der stillen, buchstäblich reichsten Dichter der Gegenwart. Mit der Wünschelrute seiner Poesie eröffnet er uns neue Wege

. ins Schatzhaus unserer Tradition
Doch ist er keineswegs Traditionalist, der alles Alte kritiklos bejubelt, aus

. Trägheit und Ressentiment gegen das Neue
Die theoretische Allüre, die uns suggerieren möchte, auch ein Bergbach bedürfe der Ich - Struktur, ist ihm aber absolut fremd. Die überraschendsten, taufrischen Bilder gehen ihm nie aus und die stets auf die Silbe stimmige Musikalität seiner Verse besänftigt die schroffe Wildheit seiner Aufbrüche ins

. Unvordenkliche

wenn Musik sich über mich warf „
.mit roten Krallen
Sie kratzte ab
“. das Eis an mir


Trotz solch Kühnscher Kühnheit gehört der Dichter nicht zu den schicken

. Vertretern avantgardistischer Lyrik
Im Gedicht zählt nämlich keine prime- time, im Ewigen ist ein Vorwärts undenkbar. Und das Schweigen darin gibt dem Bedeuteten erst sein volles Gewicht, da

der Erfinder „
des Rades starb
der Schöpfer des Flugzeugs
“. und der und der

. Nach der Sensation stürzen ihre Anbeter ins Namenlose zurück
Wie oft schon lasen wir die Reklame von der modernen Lyrik, die doch ganz anders sein müsse, angesichts radikal neuer Zeitumbrüche. Und darum hat man ihn, der sich äußerlich gänzlicher Unauffälligkeit verschrieb

. glatt übersehen, einfach überhört. Auch Hohn traf ihn oft

.eine Meckertrompete lassen sie schallen„

Aber treppab
,in die in der Nacht, wo sie verklingt, geh ich,
meine Verse laß ich wie Sonnenschlangen
“.aus dem Mund, dass ich plötzlich beschützt bin


Da er seine Zeilen niemals mit psychologisch-sexuellem Plunder ausstattet , auch sonst den Mund nie voll nahm, wirkte er, der Arbeiterdichter, auf die Kritik irgendwie reaktionär, wie man sagt, kam er für die eine und die andere Seite des kalten Krieges nicht in Frage. Dichtung galt vielen Großkritikern eh nur als Feingebäck, als erwünschte Dreingabe zur richtigen politischen

. Kampf-Gesinnung

Im kalten Krieg hielt man alles politisch Gegenläufige dessen, das gestern in

. die blutige Irre führte, prompt für wahr
Infolgedessen hatte Johannes Kühn, der im wörtlichen Sinne Empfindsamste,

. lange Zeit die größte Mühe, überhaupt nur das kleinste Gedicht zu publizieren
Deshalb verstummte er für eine lange Zeit fast vollends, wurde krank und fast

, irre an seinem Schicksal des Verkanntwerdens. Er möchte schlafen drum jetzt

da die Nacht „
voll Lärm aus Bierhälsen schwappt
“.und das Kartengeschrei hindröhnt


Er hatte das Äußerste zu erdulden. Doch er konnte sich retten, verlor die letzte Illusion über den Literaturbetrieb und zog sich fortan noch mehr ins

. dörfliche Abseits zurück
Dort fügte er bald wieder Vers an Vers, das Meiste inzwischen für eine Nachwelt, die, wenn ihr das ideologische und kommerzielle Gebrüll eines Tages gründlich vergangen sein wird, endlich der echten Dichtung gewahr

. werde, um sich wieder zurückzutasten zur springlebendigen Sprache
Denn an Hoffnungen fehlt es bei Johannes Kühn trotz allem Ungemach nie. Noch der Stumme

möchte gern zwei Hüte tragen „
,gern zwei Schlipse
,und Raben hält er
,und Hähne, die sonst ausgestorben sind
er dressiert sie
,wie ein Zirkusmann hat er Geduld
“.wie muß er gut beobachten

Der Saarländer posierte nie als Nihilist, die alten Brecht’schen Verdikte gegen Bäume kümmern ihn nicht. Unerschrocken preist er die Schönheit des Alls, neben dem „menschlichen Makel“, den er deshalb
doch nirgendwo übersieht. Freilich Missstände beweisen ihm durchweg nicht alles, darin unterscheidet er sich vom mainstream der erfolgreichen

. Modernisten

Mit seiner Spazier-Lust und Aufmerksamkeit im alten Garten Gottes, der ja

. trotz allem Mediengezeter noch immer existiert, bricht er ein neues Tabu

Es fiele ihm im Leben nicht ein, dem Schreichor der Spektakelstars, der Abgebrühten und politisch so ungeheuerlich Aufgeklärten beizustimmen.
Weder die schrillen Medien noch die neuen Metropolen modischen Schreckens lehren ihn, den kosmisch Bangen, das Fürchten auf seinem Gang im kleinen irdischen Umkreis. Dort erkundet er die ganze Welt und
. übernimmt sich dabei nie

/Unter den Eichen/unter den Ulmen„
/unter den Weiden im Gespräch mit raschelnden Blättern
/,ein Herbsterlebnis der wandernde Man mit dem Hut
/,mit dem Husten und den Armen, die er schwenkt
/,wie um das Wetter zu schlagen
das schon mit Frost beißt,/ihn, der hingeht
“. wie des Winters Prophet

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,Er, „des Winters Prophet“, ist der Unzeitgemäße, der Stille mitten im Lärm

. nicht Herr Schlingensief mit seiner hoch aktuellen Kettensägenbotschaft

Jüngst war der Dichter zum ersten Mal am Meer. Obschon nie beeindruckt von der Aufschneiderei der Zeitgenossen, die ihre Super-Reisen wie Rekorde hinter sich bringen, staunte er. Das Unglaubliche auf einmal brach es noch

. einmal herein
Das Meer leidet keinen Mangel, lässt nichts, nein alles offen, enthält die ganze Fülle, kein Defizit , kein „noch nicht“. Die Sehnsucht ist an ihre Grenze gekommen, sie verstummt angesichts der Koinzidenz des Realen

. und Über-Realen

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1 Comments:
Anonymous ناشناس said...
guten Start

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