دوشنبه
:Peter Zwey
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“.Johannes Kühn : „Ganz ungetröstet bin ich nicht
Gedichte, Hanser 2007

Johannes Kühn ist ein Erlebnisdichter, seine wichtigste Inspiration gewinnt er täglich aus der Natur, die ihn umgibt. Die Tiere in Wald und Wiese spielen besondere Hauptrollen. Dennoch spiegelt sich auch in diesen Randgeschichten unser aller Zeitbefindlichkeit, auch wenn er uns, der
. Gesellschaft, meistens aus dem Wege geht

,Ich meide Menschen„
.Die leeren Sträucher bekümmern
.Die kahlen Bäume pfeifen
.An Hängen und Hainen streunt der Fuchs
.Rehe verschwinden auf den schmalen Weiden der Schlucht
Kraniche landen, ihr Rufen in Wiesengärten am Dorf
“,Hält bis Mitternacht
...


Diese andersartigen, ungewöhnlichen Meldungen nehmen sanft den Ton der Nachrichten des Tages auf und führen zu einem „Herbstbild“, das dem Ewigen wie den Aktuellen verhaftet ist. Im jetzt der Ereignisse des Herbstes erklingt der langsame Rhythmus ewiger Wiederkehr. Der Dichter willigt ein in den Naturprozess, der unterhalb der gesellschaftlichen Oberfläche eine tiefere Wirklichkeitsschicht bedeutet. Der Dichter fühlt sich reich
:beschenkt , drum findet er zur Überschrift des Gedichts

Worüber sollt ich klagen„

,Silber sah ich wieder genug am Mond
,Gold an der Sonne, Beeren sind
Früchte sind gereift. Hoffnung
,hatte ich im schneeigen Januar
gute Lichtzeit zu erleben
in den kommenden Frühlingswochen
und im honiggelben Sommerwetter
als ein Glückjüngling
„ .noch immer


Beeren sind. Die Lebensalter verstummen angesichts der Fülle
der Erscheinungen in der Natur .Und dann tritt die Erinnerung doch unverhofft hervor, mit scharfen Lebensfotografien in lyrischer Sprache

, Eine alte Frau hab ich getroffen
die mir erklärte
,zahnlosen Mundes
,daß ich getanzt hätte mit ihr
,als ich noch mit wippenden Beinen ging
“ .statt mit Stecken


,Die leise Selbst-Ironie nimmt dem körperlichen Verfall alle Bitterkeit
zum Ganzen des Lebens-Wunders gehört eben auch das letzte Kapitel, der Schluss der Erzählung. Warum aber „erklärt“ die alte Frau ihm, was geschah? Weil er es sich ohne weiteres sonst nicht mehr erzählen ließe? Er hat mit ihrem zahnlosen Mund doch den Stecken, den er braucht, gemein. Best Agers mögen solchen Vers vermutlich nicht gerne hören. Er ist dennoch echter und wahrhaftiger als deren verbleichender Jugendwahn, der ihnen keinen
. Spielraum zur Ironie mehr lässt
Johannes Kühn verschweigt nichts, die zunehmende Beschwerlichkeit des Älterwerdens aber lastet letztlich nicht schwerer auf dem Gemüt als anderes
. Ungeschick, das selbst zur Jugend des Menschen gehört
Der Dichter erkennt den Tod, er sieht den „Fährmann, mit den schwarzen Rudern und dem schwarzen Boot,“ doch er lässt sich keine Furcht einreden,
: die er nicht fühlt

Ich hab noch„
,in den Adern Feuerschlag
.ein gutes Glühn im Blut
,Nichts erstarrt in mir, seh ich dich
,der wohl immerzu genießt die Klagen derer
,die vom Ufer nachsehen
fast verlieren in den Düsternissen
.ihre welken Augen
“.Spiel und Lied sind allen schon verdorrt


In der letzten Zeile des Gedichts von „Charons Nachen“ steckt er uns, was uns zum Tod hin reifen lässt, anstatt lebendig zu bleiben. Auch als Trauernde, auch an Lebenskräften abnehmend, sind wir erst dann verloren, wenn uns der
. Sinn für Spiel und Lied verkümmert und verdorrt
Diese heitere Botschaft, die Liebe zur Natur, die Lust am Sprachspiel, zieht sich durch den ganzen Band. Nichts wird beschwichtigt, das Schwarze klar als schwarz benannt, doch jubiliert eine schier lautlose Hoffung in all diesen
. Versen, die uns mit trösten, gleichgültig wie alt, krank oder gesund wir sind

: Solcher „Lichtwechsel“ beglückt uns immer, solange wir offen sind für ihn

Es tritt die Nacht sich selber auf die Schleppe „
“. und stolpert, dass der Himmel schwankt


Die übermütigen Zeilen ,die ihm das Licht eingibt, wenn es verglimmt im
: Westen und es märchenhaft

wird östlich rotes Feuer „
Des Mondes erscheinen
,Und mich umkleiden
als wäre ich ein Prinz, der Liebeslieder
“. zu singen hätt vor Fenstern

. In dieser Fantasie ist dann kein Deut von Altern mehr erkennbar
Johannes Kühn wirkt als Dichter souverän und seine Kunst offenbart ihm immer mehr Weisheit, die ihm das Instrument, sein Silbenmaß
. hervorzubringen hilft
Jedesmal, wenn er aus dem Haus am Waldrand in die Natur hinaustritt,“ schreiben seine Freunde, die Herausgeber
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. ist er der Spieler,/ der Gewinner/ mit jedem Schritt„

Die Gedichte des Johannes Kühn gehören weder zu den konventionellen, noch zu den avantgardistischen Texten, sie stehen jenseits der Gegenwartsdebatte um lyrische Probleme. Sie haben ihr Ziel schon immer erreicht. Fraglos gültig, dem Ewigen als einer Gestalt des Gegenwärtigen
. zugewandt, warten sie allein auf neue Leser
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